BUB SPEED TRIALS 2010, Bonneville Salt Flats
Rekordjagd bis zur letzten Minute...
Samstag, 28. August – Donnerstag 2. September 2010 BUB SPEED TRIALS, Team Swiss PERFORMANCE auf den Bonneville Salt Flats
„Die Jagd nach Geschwindigkeits-Weltrekorden ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, erklärte BUB Firmenchef und Speed-Trials „Spiritus Rector“ Dennis Manning am Donnerstag Abend auf dem abschließenden Banquet mit Preisverleihung. Und er muss es wissen: In diesem Jahr feierte er sein 40-jähriges Bonneville-Jubiläum. 1970 hatte Dennis Manning den Streamliner konstruiert, der Harley-Davidson Werksfahrer Cal Rayborn den Titel „Schnellster Mann auf zwei Rädern“ einbrachte – und war danach wieder und wieder auf das Salz zurückgekehrt um den Rekord zu brechen. Zuletzt mit Chris Carr im September 2010. Am 25. September setzte Carr einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord mit 367.382 mph (591,24 km/h) nur knapp unter der magischen 600 km/h Marke! Doch im 40. Jubiläumsjahr schwiegen die Motoren der Streamliner – dem Rennen nach dem ultimativen Geschwindigkeits-Weltrekord ist die Puste, respektive das Geld ausgegangen. Auspuffhersteller BUB kämpft mit den sinkenden Absatzzahlen im Heimatland von Harley-Davidson, sein Streamliner steht zum Verkauf: 1 Million Dollar für das Weltmeister-Motorrad. Konkurrent Mike Ackatiff und sein Doppelmotoren-Suzuki Bike kämpfen auf dem Leistungsprüfstand um jedes PS und wollen Mitte September bei einem „Privattermin“ auf dem Salzsee antreten.
Nur drei der stromlinienförmigen „Zigarren“ ließen sich überhaupt auf dem Salz blicken: Die Doppelmotoren-Vincent von Max Lambky, California Fritz mit seinem extrem windempfindlichen Gefährt und ein Seitenwagen-Stromlinienfahrzeug aus Neuseeland. Weniger war diesmal mehr: Das zeigte sich spätestens nach den Regenfällen in der Nacht vom Sonntag auf Montag, welche die Streckenbedingungen auf dem Salz nicht gerade verbesserten. Die schnellste Geschwindigkeit der BUB SPEED TRIALS 2010 war 229 mph, gefahren von einer 750 ccm Maschine!
Team Swiss Performance, in diesem Jahr bestehend aus Fritz Egli, Hans Versfeld und Nico Pouchon waren auch für neue Rekorde bestens gerüstet – anscheinend aber mit zu viel Leistung für die schwierigen Pistenverhältnisse! Das merkte vor allem Fritz Egli, der sein Seitenwagen-Rekordgespann von 2009 mit einem neuen Turboladersystem auf über 500 PS aufgepumpt hat, mit speziellem hochleistungs-Schmierstoff von Mathy Deutschland unterstützt – und in diesem Jahr massive Bleigewichte um das Hinterrad platzierte, um die Traktion zu verbessern. Sein Gespann driftete schon ab Start bis ins Ziel wild durchdrehend nach rechts und links – und die Motorrad-Legende aus der Schweiz musste mehr und mehr Ladedruck und Leistung zurücknehmen, ohne dass er dem 205 mph Rekord (mit einem Lauf von 208,79 mph (= 335,9 km/h) des vergangenen Jahres nahe kam. Dennoch konnte Egli auch in diesem Jahr mit 199 mph den Preis für die höchste Geschwindigkeit eines Seitenwagen-Motorrads aus den Händen von Bakker Motorsports entgegen nehmen!
Der Salzsee in Bonneville zeigte sich schon am Samstag während der Abnahme der Bikes von der stürmischen Seite und blies mit Windgeschwindigkeiten von über 30 km/h! Bei der Anreise am Freitag zogen schwere Gewitter und Regenschauer über Teile von Utah, verschonten aber die Rennstrecke. Die Technische Abnahme der über 250 Teilnehmer ging zügig vonstatten, denn die meisten Teilnehmer kennen das Rulebook und hatten ihre Bikes entsprechend vorbereitet – auch Team Swiss Performance, auch in diesem Jahr wieder zu Gast bei Dallas Honda und Leslie Porterfield, kam problemlos durch die Abnahmeprozedur und genoss die Nachmittagsstunden am Grill von Dallas Honda.
Nach dem ersten Renntag gab es am Montag an der Zufahrtsrampe zum Salzsee lange Gesichter: Regenfälle hatten über Nacht die Zufahrt zum Fahrer in eine Salzpfütze verwandelt. Wie sah die Strecke aus? Konnte man unter diesen Bedingungen überhaupt noch Rennen fahren? Team Swiss Performance beschloss einen Tag „Auszeit“ zu nehmen, denn sinnvolle Geschwindigkeiten wären auf der Salzschlamm-Rutschbahn nicht möglich – und die Motorräder wären schon vorzeitig durch das „Salzbad“ außer Gefecht gesetzt worden.
Die richtige Entscheidung: Erst um 10.00 Uhr am Morgen rollten die ersten Teilnehmer ins Fahrerlager, die Fahrerbesprechung fand um 11.30 bei strahlendem Sonnenschein statt. Tatsächlich gab es nochmals kurze Regenschauer, was Leslie Porterfield nicht davon abhielt einen Testrun auf den Tracks zu machen. Um 14.00 Uhr wurden die Strecken auf den 5-Meilen-Kursen wieder geöffnet und das Renngeschehen dauerte verlängert bis 19.00 Uhr. Tatsächlich fuhren einige Teilnehmer in den 200 mph Bereich, man konnte auf den schnellen Abschnitten in der Messmeile deutlich das Kreischen der durchdrehenden Motoren hören...
Am Dienstag dem 31. August 2010 gab es wieder Grund in der „Black & White“ Bar zu feiern, denn ausgerechnet die „schwächste“ Maschine, Hans Versfeld’s Suzuki B-King, gestrippt bis aufs Gerippe, konnte Rekorde verbuchen: Mit zwei Läufen von 174,56 mph und 171,226 mph (Return) brach Versfeld den AMA Rekord. Strahlender Sonnenschein sorgte für gute Stimmung und abtrocknende Strecken, was aber den anhaltenden Traktionsproblemen der starken Hayabusa’s nicht weiterhalf. Nach den ersten Läufen kurz nach Sonnenaufgang stand fest, dass man die Leistung besser auf den Boden bringen muss. Fritz Egli nahm noch mehr Ladedruck aus dem Turbo während Nico Pouchon mit 30% durchdrehendem Hinterrad bei knapp über 180 mph hängen blieb. Auch Leslie Porterfield von Honda Dallas wartete noch auf die wirklich schnellen Geschwindigkeiten: Ihre „schnelle“ Turbo-Honda kämpfte mit Fehlzündungen und den Traktionsproblemen.
Am Mittwoch wurden radikale Maßnahmen ergriffen, um die Strecke zu optimieren: Vor Sonnenaufgang versammelten sich BUB-Team und die Teilnehmer-Teams mit ihren Autos an der Rampe zu den Salt Flats um über die beiden 5 und 10 Meilen Tracks „paradieren“ und damit das Salz zu verdichten. Das Experiment zahlte sich in schnelleren Geschwindigkeiten aus, doch noch immer blieben Läufe über 200 mph die Ausnahme. Sowohl Fritz Egli als auch Nico Pouchon mussten knapp vor der magischen 200 mph Grenze kapitulieren. Dabei herrschten am Donnerstag, dem letzten Renntag, gute Rennbedingungen – so gut zumindest, dass auch Hans Versfeld noch einen Lauf mit über 176 mph absolvierte und sich damit für die „lange“ 10-Meilen Strecke qualifizierte. Mit einer „nackten“ B-King!
Fazit der diesjährigen BUB SPEED TRIALS: Eine unglaubliche Anzahl von über 350 Läufen pro Tag, eine fast reibungslose Organisation und ein engagiertes Team, welches versucht die Rekordjäger so gut es geht zu unterstützen. Team Swiss Performance kommt in diesem Jahr mit weniger Rekorden zurück als in den vergangenen Jahren, doch dass liegt nicht an der Leistung des Teams. Einmal mehr zeigten sich die Traktionsverhältnisse auf dem Salz als unberechenbar – da kann man noch so gut vorbereitet sein, wenn das Wetter nicht mitspielt, haben Rekorde keine Chance. Es ist nun mal ein „Marathonlauf“, für den man auch einen langen Atem haben muss...